Unternehmenskultur – die DNA einer Organisation?

Die „Zeit Online“ setzt sich auf ihrer Webseite www.zeit.de/karriere/beruf mit dem Phänomen der Unternehmenskultur auseinander und meint: „Die Unternehmenskultur bindet die Mitarbeiter und schafft Identifikation, verordnet werden kann sie nicht. Sie ist gewissermaßen die DNA eines Unternehmens – das sind seine Werte, seine Ziele, das, was Identifikation und Loyalität schafft.“

Nun bin ich persönlich ein großer Freund von bildhafter bzw. metaphorischer Sprache. Bilder aktivieren die rechte Gehirnhälfte des Menschen und sprechen so direkt seine Gefühlswelt an. Auch ich habe auf dieser Webseite das Bild oder die Metapher des Immunsystems gewählt, weil ich denke, dass der Begriff der Resilienz dadurch für uns anschaulicher wird. Aber DNA als Vergleich für die Organisationskultur?

Die aus den 4 Kernbasen (Cytosin, Guarnin, Adenin und Thymin) und dem Zucker Desoxyribose aufgebaute Desoxyribonukleinsäure ist Träger unserer Erbinformation und unterscheidet uns Individuen an jeder 1000sten Stelle. Die DNA zwischen zwei Menschen ist also zu 99,9% ident nur jedes 1000ste Nukleotid ist anders. Das klingt nun nach einer vernachlässigbaren Größenordnung und dennoch sind wir Menschen so grundverschieden. Bis vor nicht all zu langer Zeit, war ich der Auffassung, dass die DNA unveränderlich ist und insofern der Vergleich mit etwas Lebendigen, sich Entwickelnden – also einer Kultur – nicht taugt.

Nun hat u. a. das amerikanische Heart-Math-Institute (www.heartmath.org) festgestellt, dass Veränderung doch möglich ist. Und zwar durch Gefühle. Bei dem Experiment wurde menschliche DNA aus der Plazenta entnommen und in einen speziellen Behälter gebracht, mit dem man etwaige Veränderungen messen konnte. Dann haben 28 Forscher, die alle sehr gut darauf trainiert waren außerordentlich starke positive wie negative Gefühle zu erzeugen, diese Gedanken auf die Gläser übertragen. Die Ergebnisse waren verblüffend! Sehr knapp zusammengefasst, zogen sich die DNA bei negativen Empfindungen wie Wut, Frust, Stress, Aggression oder Angst zusammen. Sie verkürzten sich also und schalteten einen Teil ihres Codes ab. Wohingegen sie sich bei Gefühlen von Freude, Liebe, Dankbarkeit, Zuversicht oder Anerkennung entspannten, sich länger steckten und ihre Codes wieder anschalteten.

Wenn das so ist, dann finde ich auch den Vergleich der DNA mit der Unternehmenskultur sehr schön und passend. Denn Kultur ist etwas Veränderliches. Ein Kreislauf der Entwicklung grundlegender kollektiver Überzeugungen, ausgehend einerseits von der Perspektive des Unternehmens oder der Organisation als Objekt, andererseits mit dem Blick auf die darin vorgehenden Prozesse. Auf Basis einer Grundhaltung der/des Gründers wird die Strategie des Unternehmens beeinflusst, welche wiederum verändernd oder verstärkend auf die grundlegenden kollektiven Überzeugungen wirkt. Andrerseits hat die Art und Weise wie die Dinge im Unternehmen geschehen Einfluss auf das gelebte Verhalten der Menschen und umgekehrt. So ist die kontinuierliche Entwicklung der Kultur ausgehend von der Unternehmensführung zu beschreiben. Diese kann sich aus Sicht der Verantwortlichen positiv oder negativ darstellen.

Gefühle verändern also Form und Funktion der DNA oder wie es Friedrich Schiller so schön in „Wallenstein“ formulierte: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut!“