„War for talent“ 4.0

Schon im Jahr 1998 kreierte der CEO des Beratungsriesen McKinsey diese einprägsame Redewendung und sie ist in ihrer Bedeutung aktueller denn je. Es stellt sich allerdings die Frage, ob der Gehalt dessen, was damit kommuniziert werden will in adäquate Worte gekleidet ist. Kommunikation beeinflusst die Kommunikation beeinflusst die Kommunikation … Der Wert einer Botschaft wird erst durch den Empfänger erschaffen, indem dieser der Information eine Realität zuordnet. Ob umworbene Talente sich in einem Kriegsszenario wiederfinden wollen ist möglicherweise zu bezweifeln …

„Erholung auf dem Arbeitsmarkt“ titelt der „Kurier“ in seiner Ausgabe vom Samstag und berichtet über Prognosen zu einem nachhaltigen Aufschwung der österreichischen Wirtschaft zumindest bis 2021. WIFO und IHS rechnen mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Durch den Anstieg des privaten Konsums im Inland würden personalintensive Branchen wie der Handel oder die gesamte Freizeitwirtschaft profitieren. Auch die Auftragsbücher in vielen Bauunternehmen seien voll. Damit einher geht ein deutlicher Fachkräftemangel, dem man aus Sicht eines Unternehmens natürlich unterschiedlich begegnen kann.

In einem 57-seitigen Strategiepapier für Deutschlands Unternehmen über den „Wettbewerbsfaktor Fachkräfte“ formulierte McKinsey bereits im Mai 2011:

„Das Thema Fachkräftemangel betrifft Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber ebenso wie die Tarifpartner und den Staat als Gestalter der Rahmenbedingungen. Es liegt in ih­rer aller Interesse, die Herausforderungen vorausschauend, entschlossen und koordiniert anzugehen. Denn die Menschen mit ihrem Wissen und Können werden künftig noch stärker als bisher zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden – für jedes Unterneh­men wie für den Standort Deutschland insgesamt. […] Bereits vor über zehn Jahren prägte McKinsey den Begriff „War for Talent“ – damals noch überwiegend bezogen auf den Wettbewerb um Toptalente der besten Universitäten. In Zukunft wird er in der gesamten Breite der Qualifikationen entbrennen. Unternehmen wie öffentliche Arbeitgeber müssen und können mehr tun als bisher, um die begehrten Fachkräfte für sich zu gewinnen und Standorte zu sichern. Das Thema Personal wird damit zur Chefsache und zum strategischen Wettbewerbsfaktor, mit mindestens glei­cher Bedeutung wie Finanz­ und Produktionsfragen. Aus den Personalbereichen, heute oftmals noch beschränkt auf administrative Aufgaben, werden echte Gestalter, nicht nur bei den DAX­-Unternehmen.“

Selbstredend, dass bei dieser Publikation handwerklich blitzsauber gearbeitet wurde und dennoch: es fehlt aus meiner Sicht ein wesentlicher Aspekt. Es wird zwar immer wieder mehr oder weniger sachte auf die Bindung der MitarbeiterInnen an die Unternehmen gesprochen, doch es macht mir den Eindruck, als handelte es sich hier um eine Art „Wasch mich, aber mach mich nicht nass – Metaempfehlung“.

Würde man z. B. mit dem Wort „care“ anstelle von „war“ nicht die Aufladung der Information optimieren und die Sendefrequenz erhöhen? „Talents“ oder „Potentials“ suchen nicht mehr nach den herkömmlichen Gratifikationen. Und ich spreche dezidiert nicht von vermeintlichen Eliten sondern von jeder und jedem Einzelnen. „Care for Potentials“ würde danach streben, Menschen mit Ihrer Energiequelle zu verbinden und verbunden zu halten. Ich denke, man wird künftig in der Ausübung seines „Core-Business“ nicht an der Definition oder Entwicklung eines organisatorischen „Core-Purpose“ vorbei kommen. Mindful Leadership eingebettet in einer achtsamen Unternehmenskultur würde ein tiefes Bedürfnis der umworbenen und zu pflegenden Talente befriedigen. Denn: „Der Seele Heimat ist der Sinn.“

 

Quellen:
www.mckinsey.de
„Kurier“, Printausgabe vom 2.9.2017
Simon, Fritz, „Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus“